In Deutschland geht jeder fünfte Euro ins Militär
Deutschland steht vor einem historischen Verteidigungshaushalt. Im Bundeshaushalt 2027 sollen insgesamt 140 Milliarden Euro für die Bundeswehr bereitgestellt werden – so viel wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Damit fließt künftig jeder fünfte Euro des Bundeshaushalts in die Verteidigung.
Allein aus dem regulären Haushalt sind 109,7 Milliarden Euro vorgesehen, rund 27 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen knapp 30 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen, das über Kredite finanziert wird. Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach im Bundestag von einer „wirklich sehr, sehr großen Summe“, die gegenüber der Öffentlichkeit gut begründet werden müsse.
Die Mittel sollen sowohl in klassische Systeme wie Panzer, Fregatten und Artillerie als auch in moderne Technologien wie Drohnen, KI und weltraumgestützte Fähigkeiten fließen. Pistorius betonte, dass es keine Entscheidung zwischen „alter Hardware“ und neuer Technologie geben dürfe – beides sei notwendig.
Ökonomen wie Moritz Schularick kritisieren hingegen, dass zu viel Geld in traditionelle Rüstungssysteme fließe. Er fordert stärkere Investitionen in Drohnen und künstliche Intelligenz. Die Grünen unterstützen grundsätzlich den Ansatz, klassische Kapazitäten und neue Technologien parallel auszubauen, verlangen aber höchste Effizienz bei jeder Ausgabe.
Die Rekordausgaben für die Verteidigung gehen mit Einsparungen in anderen Bereichen einher: Elternleistungen, Entwicklungshilfe und Demokratieförderung sollen gekürzt werden. Gleichzeitig steigt die Neuverschuldung auf über 200 Milliarden Euro, was pro Kopf etwa 2.400 Euro bedeutet.
Finanzminister Lars Klingbeil verteidigte die Politik: „Ohne neue Schulden die Verteidigung sichern zu wollen, wäre wie eine Mondlandung ohne Rakete.“
Der Bundestag soll den Haushalt Ende November 2026 beschließen.