Die Zahl der Menschen mit einer Duldung in Deutschland ist erneut gestiegen. Nach Angaben der Bundesregierung lebten Ende September 200.601 Personen mit diesem Status im Bundesgebiet. Ende Dezember 2025 waren es noch 190.974 gewesen. Damit nahm die Zahl innerhalb von neun Monaten um 9.627 Personen zu.
Eine Duldung wird Personen erteilt, die eigentlich ausreisepflichtig sind, deren Abschiebung jedoch aus verschiedenen Gründen vorübergehend nicht vollzogen werden kann. Dazu zählen unter anderem familiäre Gründe, fehlende Ausweisdokumente oder gesundheitliche Probleme.
Gleichzeitig stieg auch die Zahl der ausreisepflichtigen Personen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren Ende September insgesamt 256.873 Menschen verpflichtet, Deutschland zu verlassen. Ende 2025 lag diese Zahl noch bei 232.067.
Als möglicher Grund für den Anstieg gilt die sinkende Anerkennungsquote bei Asylanträgen. Zudem lief Ende 2025 das sogenannte Chancen-Aufenthaltsrecht aus. Die Regelung ermöglichte langjährig geduldeten Menschen unter bestimmten Voraussetzungen den Übergang in einen legalen Aufenthaltsstatus.
Besonders niedrig bleibt die Zahl der Personen, die von speziellen Duldungsregelungen profitieren. Bundesweit verfügten lediglich 402 Menschen über eine Ausbildungsduldung, während nur 17 Personen eine Beschäftigungsduldung besaßen.
Die Grünen-Politikerin Filiz Polat kritisierte die bestehenden Regelungen als zu kompliziert. Menschen, die arbeiten, eine Ausbildung absolvieren und gut integriert seien, bräuchten eine verlässliche Aufenthaltsperspektive statt jahrelanger Unsicherheit, betonte sie.
Die Entwicklung hat die Debatte über Abschiebungen, Integration und langfristige Aufenthaltsrechte in Deutschland erneut in den Fokus gerückt.