Demnach liegen konkrete Warnhinweise des US-Technologieriesen Apple vor, wonach Mobiltelefone von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern mit hochentwickelter kommerzieller Spionagesoftware infiziert oder zumindest angegriffen wurden. Nach Angaben von Wildberger hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unmittelbar nach Bekanntwerden der Sicherheitswarnungen reagiert. Potenzielle Opfer innerhalb des Parlaments seien bereits schriftlich über die akute Bedrohungslage informiert und über notwendige Sicherheitsvorkehrungen in Kenntnis gesetzt worden.
Über das genaue Ausmaß des Angriffs sowie die Identität der betroffenen Personen hüllen sich die Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit noch in Schweigen. Die Bundesregierung nimmt den Vorfall außerordentlich ernst. Regierungssprecher Steffen Cornelius betonte in der Bundespressekonferenz, dass alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um die Hintergründe der Cyber-Spionage lückenlos aufzuklären. Experten des Bundes und der Nachrichtendienste arbeiten unter Hochdruck daran, die betroffenen Systeme zu analysieren und den Betroffenen administrative sowie technische Unterstützung anzubieten.
Cornelius versicherte, dass die bestehenden Schutzmechanismen für die Kommunikation der Verfassungsorgane umgehend verschärft werden. Auf die drängenden Fragen der Journalisten, ob auch das Mobiltelefon von Bundeskanzler Friedrich Merz Ziel der Hackerattacke war oder welche Ministerien konkret betroffen sind, gab es jedoch keine detaillierte Auskunft. Cornelius verwies auf die laufenden Untersuchungen und erklärte, dass verlässliche Informationen erst nach Abschluss der tiefenwirschen IT-Forensik an die Öffentlichkeit getragen werden können. Gefährliche „Zero-Click“-Technologie: Infektion ohne Nutzerinteraktion Eine Sprecherin des Innenministeriums, Sonja Kock, lieferte besorgniserregende technische Details zu der verwendeten Schadsoftware. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine kommerzielle Spionagesoftware, die primär von staatlichen Akteuren oder in deren Auftrag gegen ausgewählte Zielpersonen eingesetzt wird. Das Besondere und zugleich Erschreckendste an diesem Angriff ist die Nutzung sogenannter „Zero-Click“-Exploits. Bei dieser Methode reicht bereits der Empfang einer speziell manipulierten Nachricht aus, um das Gerät vollständig zu kompromittieren – der Nutzer muss weder einen Link anklicken noch eine Datei öffnen. Das BSI hatte die Bundestagsabgeordneten bereits am 30.
Oktober proaktiv gewarnt. Sprecher des Digitalministeriums betonten unterdessen, dass eine von Apple generierte Bedrohungswarnung zwar ein starkes Indiz für einen Angriffsversuch sei, jedoch nicht zwangsläufig bedeute, dass die Spionagesoftware Daten erfolgreich exfiltriert hat. Dies zu prüfen, sei nun Kernaufgabe der laufenden Sicherheitsanalysen. Der aktuelle Spionageangriff auf den Deutschen Bundestag zeigt einmal mehr, dass die Digitalisierung der staatlichen Infrastruktur enorme Risiken birgt. Wenn Spitzenpolitiker und Regierungsmitglieder durch Zero-Click-Tools unbemerkt abgehört werden können, steht nicht nur der persönliche Datenschutz, sondern die nationale Sicherheit auf dem Spiel. Dieser Vorfall wird die Debatte über den Einsatz kommerzieller Cyberwaffen und die Souveränität europäischer IT-Infrastrukturen in den kommenden Monaten zweifellos massiv verschärfen.